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Zur “ultradreisten” Facebook-Timeline

Donnerstag, 26. Januar 2012

Thema der letzten beiden Tage war die ach so neuen Timeline bei Facebook. Ich habe ganz ehrlich gesagt nicht die Zeit gehabt, mich eingehend mit der gesamten Berichterstattung zum Thema zu befassen, aber ich versuche mal festzuhalten, was ich verstanden habe:

  1. Facebook hat im Herbst die neue Timeline auf freiwilliger Basis eingeführt
  2. Diese unterscheidet sich vom bisherigen Verfahren darin, dass Statusmeldungen und hochgeladene Bilder jetzt neu strukturiert und layoutet auf der eigenen Profilseite angezeigt werden
  3. Es werden keine Privacyeinstellungen automatisch geändert, was heute in der Timeline zu sehen ist, konnte man auch früher schon sehen, es war nur etwas mühsamer, sich durch die Historie zu klicken. Wer eine alte Timeline hat oder bei einem Freund findet, kann sich gerne mal den Spaß machen, bis zum geht nicht mehr auf “Older Posts” zu klicken. Das geht bis zur ersten Statusmeldung – auch jetzt schon.
  4. Es gibt darüber hinaus offensichtlich die Möglichkeit, Apps aktiv (!) zu erlauben, etwas in die Timeline hineinzufeeden. Jeder ist seiner Timeline Schmied.
  5. Facebook stellt das Interface – so die eigene Darstellung – aus Praktikabilitätsgründen nun für alle um, um nicht zwei Timelines in der Weiterentwicklung berücksichtigen zu müssen. Jedes Softwareunternehmen stellt seine Interfaces regelmäßig um ohne seine Kunden zu fragen.
  6. Werbekunden bekommen in Zukunft nicht mehr Informationen über einzelne User als heute: Nämlich gar keine, weil das Ad-System vollkommen anonym für den buchenden Kunden ist, er bekommt keine Profile angezeigt, die Verteilung organisiert Facebook. Ich bekomme übrigens lieber Werbung angezeigt, die mich interessiert als welche für Treppenlifte und Damenbinden.

Wie gesagt: ich bitte um Korrektur, kann sein, dass ich etwas falsch verstanden oder verpasst habe. Aber ich sehe nirgendwo ein “ultradreistes” Vorgehen. Vielmehr bestätigt die polemische Äußerung des ULDs meinen Eindruck, dass das Thema Facebook dort bewusst symbolisch politisiert wird, um Eigen-PR zu betreiben. Sonst könnte man mehr Sachlichkeit erwarten.

(Hinweis: Diesen Beitrag habe ich in abgeänderter Form auch über die Mailingliste der Bundesarbeitsgemeinschaft Medien und Netzpolitik von Bündnis 90/Die Grünen geschickt)

Zur “ultradreisten” Facebook-Timeline

Donnerstag, 26. Januar 2012

Thema der letzten beiden Tage war die ach so neuen Timeline bei Facebook. Ich habe ganz ehrlich gesagt nicht die Zeit gehabt, mich eingehend mit der gesamten Berichterstattung zum Thema zu befassen, aber ich versuche mal festzuhalten, was ich verstanden habe:

  1. Facebook hat im Herbst die neue Timeline auf freiwilliger Basis eingeführt
  2. Diese unterscheidet sich vom bisherigen Verfahren darin, dass Statusmeldungen und hochgeladene Bilder jetzt neu strukturiert und layoutet auf der eigenen Profilseite angezeigt werden
  3. Es werden keine Privacyeinstellungen automatisch geändert, was heute in der Timeline zu sehen ist, konnte man auch früher schon sehen, es war nur etwas mühsamer, sich durch die Historie zu klicken. Wer eine alte Timeline hat oder bei einem Freund findet, kann sich gerne mal den Spaß machen, bis zum geht nicht mehr auf “Older Posts” zu klicken. Das geht bis zur ersten Statusmeldung – auch jetzt schon.
  4. Es gibt darüber hinaus offensichtlich die Möglichkeit, Apps aktiv (!) zu erlauben, etwas in die Timeline hineinzufeeden. Jeder ist seiner Timeline Schmied.
  5. Facebook stellt das Interface – so die eigene Darstellung – aus Praktikabilitätsgründen nun für alle um, um nicht zwei Timelines in der Weiterentwicklung berücksichtigen zu müssen. Jedes Softwareunternehmen stellt seine Interfaces regelmäßig um ohne seine Kunden zu fragen.
  6. Werbekunden bekommen in Zukunft nicht mehr Informationen über einzelne User als heute: Nämlich gar keine, weil das Ad-System vollkommen anonym für den buchenden Kunden ist, er bekommt keine Profile angezeigt, die Verteilung organisiert Facebook. Ich bekomme übrigens lieber Werbung angezeigt, die mich interessiert als welche für Treppenlifte und Damenbinden.

Wie gesagt: ich bitte um Korrektur, kann sein, dass ich etwas falsch verstanden oder verpasst habe. Aber ich sehe nirgendwo ein “ultradreistes” Vorgehen. Vielmehr bestätigt die polemische Äußerung des ULDs meinen Eindruck, dass das Thema Facebook dort bewusst symbolisch politisiert wird, um Eigen-PR zu betreiben. Sonst könnte man mehr Sachlichkeit erwarten.

(Hinweis: Diesen Beitrag habe ich in abgeänderter Form auch über die Mailingliste der Bundesarbeitsgemeinschaft Medien und Netzpolitik von Bündnis 90/Die Grünen geschickt)

Facebook Places und die Privacy-Panik

Mittwoch, 06. Oktober 2010

Gestern ist es also klammheimlich in Deutschland online gegangen, der lang erwartete location-based Service Facebook Places. Schon im Vorfeld hat es große Befürchtungen gegeben, mit Facebook Places würde Facebook vermeintlich einmal mehr die Privatheit oder gar die Persönlichkeitsrechte eines Menschen in Frage stellen. Denn – so hieß und heißt es allerorten – man könne ja jetzt jeden in irgendwelche Locations einchecken, in denen man gar nicht ist oder zumindest nicht gesehen werden will (Herbertstraße, Social Media Club). Gestern gingen dann auch wieder zahlreiche Ratschläge herum, wie man denn die digitale Burka bei Facebook möglichst blickdicht macht.

Mir ist der Grund für die Panik nicht ganz klar, ich habe auch alle gleich eingeladen, mich an Orten einzuchecken. Gute Freunde haben mich dann lustigerweise auch gleich symbolisch in ein Al-Qaida-Lager in Afghanistan und in die psychatrische Tagesklinik in Altona fremdeingecheckt. Symbolisch insofern, da es nicht über Places war, weil man das gar nicht kann. Denn an dem Ort, an dem man andere fremdeincheckt muss man auch selbst einchecken. Das dürfte die Herbertstraßenfremdeincheckrate schon einmal erheblich mindern. Zudem darf man nur von sogenannten Freunden bei facebook fremdeingecheckt werden. Ganz davon abgesehen, dass Freunde auch vorher schon eine Statusmeldung zu ihrem Aufenthaltsort absetzen konnten, in denen ich markiert werden konnte und kann – und da erscheint es im Gegensatz zu Places sogar auf der eigenen “Pinnwand”. Wie auch immer es geschieht: Wenn man Freunde hat, die einen (ernsthaft) an unliebsamen Orten einchecken, sollte man das vielleicht einmal zum Anlass nehmen, die Tiefe der Freundschaft in Frage zu stellen und die Facebook-Freundschaft zu beenden.

Zugegeben: Es bleiben noch die unabsichtlich peinlichen Fremdcheckins: Ich sage meinem Boss (den ich erfreulicherweise nicht habe), dass ich zum Arzt muss und der Kumpel, den ich dann anstatt des Arztes treffe, checkt mich in der Kneipe ein. Peinlich, aber kein Weltuntergang. Außerdem gibt es da auch verschiedene Möglichkeiten, das zu verhindern: Selbstständig machen, seinen Boss nicht adden, feststellen, dass man einen scheiß Job hat, wenn man seinen Boss belügen muss.

Manchmal haben Privacy Issues nichts mit Social Media zu tun, sondern mit dem ganz normalen Leben.