Archiv für Oktober 2010

Seltsame demographische Zahlen beim Facebook Ad Planner

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Als jemand, der als Berater für Onlineprojekte gern mal echte Zahlen zeigt, um den Kunden die Macht der Social Networks aufzuzeigen, präsentiere ich gern die aktuellen Userzahlen bei Facebook, wie sie das Ad Toolhervorbringt. Das ist am Beispiel Hamburg recht imposant: Gegenwärtig 822.660 Menschen (ohne weiteres Umland!) sollen sich bei Facebook tummeln. Als ich heute diese bei Facebookmarketing über eine recht interessante Aufbereitung dieser für jeden erhältlichen Daten stolperte, wurde ich nachdenklich: Irgendetwas stimmt nicht an den Daten. Es kann nicht jeder zweite Hamburger bei Facebook sein. Das sagt mir mein gesunder Menschenverstand und das sagt mir erst einmal meine Privatempirie. Obwohl ich einen online mindestens durchschnittlich aktiven Freundeskreis habe, ist dort nicht jeder zweite bei Facebook. Ich vermute das noch weniger für Ältere. Und so sieht es Facebook auch selbst: Der Großteil der User ist – wenn man nach Alter filtert – zwischen 13 und 40.

Wenn man aber nun bei Facebook als Filter Hamburg ohne Umland und beispielsweise das genaue Alter von 25-29 eingibt, dann erhalte ich folgende “Schätzung”:

Geschätzte Reichweite
143.900 Personen
die in Deutschland leben
die in Hamburg wohnen
einschließlich genau zwischen 25 und 29 Jahre alt

Das statistische Landesamt für Hamburg und Schleswig-Holstein verzeichnet in seinem Bericht für das Jahr 2008 aber für die gleiche Alterskohorte exakt 142.465 Einwohner. Das hieße, dass in diesem Alter über 100% der Kohorte bei Facebook sind. Selbst bei sehr optimistischer Schätzung und Abzug von einigen Fakeaccounts, selbst bei ein paar Prozent Pinnebergern, die lieber unter dem label Hamburg segeln: Entweder ich verstehe da was nicht oder mit den Zahlen stimmt etwas nicht.

Kann sich jemand das erklären? Und dann am besten mir und allen anderen Lesern gleich mit?

Facebook Places und die Privacy-Panik

Mittwoch, 06. Oktober 2010

Gestern ist es also klammheimlich in Deutschland online gegangen, der lang erwartete location-based Service Facebook Places. Schon im Vorfeld hat es große Befürchtungen gegeben, mit Facebook Places würde Facebook vermeintlich einmal mehr die Privatheit oder gar die Persönlichkeitsrechte eines Menschen in Frage stellen. Denn – so hieß und heißt es allerorten – man könne ja jetzt jeden in irgendwelche Locations einchecken, in denen man gar nicht ist oder zumindest nicht gesehen werden will (Herbertstraße, Social Media Club). Gestern gingen dann auch wieder zahlreiche Ratschläge herum, wie man denn die digitale Burka bei Facebook möglichst blickdicht macht.

Mir ist der Grund für die Panik nicht ganz klar, ich habe auch alle gleich eingeladen, mich an Orten einzuchecken. Gute Freunde haben mich dann lustigerweise auch gleich symbolisch in ein Al-Qaida-Lager in Afghanistan und in die psychatrische Tagesklinik in Altona fremdeingecheckt. Symbolisch insofern, da es nicht über Places war, weil man das gar nicht kann. Denn an dem Ort, an dem man andere fremdeincheckt muss man auch selbst einchecken. Das dürfte die Herbertstraßenfremdeincheckrate schon einmal erheblich mindern. Zudem darf man nur von sogenannten Freunden bei facebook fremdeingecheckt werden. Ganz davon abgesehen, dass Freunde auch vorher schon eine Statusmeldung zu ihrem Aufenthaltsort absetzen konnten, in denen ich markiert werden konnte und kann – und da erscheint es im Gegensatz zu Places sogar auf der eigenen “Pinnwand”. Wie auch immer es geschieht: Wenn man Freunde hat, die einen (ernsthaft) an unliebsamen Orten einchecken, sollte man das vielleicht einmal zum Anlass nehmen, die Tiefe der Freundschaft in Frage zu stellen und die Facebook-Freundschaft zu beenden.

Zugegeben: Es bleiben noch die unabsichtlich peinlichen Fremdcheckins: Ich sage meinem Boss (den ich erfreulicherweise nicht habe), dass ich zum Arzt muss und der Kumpel, den ich dann anstatt des Arztes treffe, checkt mich in der Kneipe ein. Peinlich, aber kein Weltuntergang. Außerdem gibt es da auch verschiedene Möglichkeiten, das zu verhindern: Selbstständig machen, seinen Boss nicht adden, feststellen, dass man einen scheiß Job hat, wenn man seinen Boss belügen muss.

Manchmal haben Privacy Issues nichts mit Social Media zu tun, sondern mit dem ganz normalen Leben.