Archiv für Dezember 2008

Corporate Twitter(ing) als niedrigschwelliges Gesprächsangebot

Dienstag, 16. Dezember 2008

Das Thema geht seit Monaten um, immer mehr Firmen tun es: Corporate Twittering. Oftmals wird die Frage gestellt, was das bringen soll, wie es glaubwürdig sein soll, wie peinlich es sein kann. Ein diesbezüglich kritischer Blogpost meines Twitterfreundes Wolfgang Lünenbürger und die Debatte im Daimlerblog lässt mich aber nun seit längerer Zeit mal wieder zur Tastatur greifen, weil mein Reply ausnahmsweise nicht in 140 Zeichen passt.

Für mich liegt der Vorteil von Corporate Twittering auf der Hand: Man hat einen sehr kurzen Draht zum Kunden oder Partner. Natürlich muss tarnsparent sein, mit wem man da spricht, aber ein Corporate Twitter-Account muss nicht mitteilen, was er zu Mittag gegessen hat oder ob er Liebeskummer hat. Er darf natürlich dennoch menschliche Regungen zeigen. Hauptziel im Gegensatz zu persönlichen Accounts von Mitarbeitern ist aber, dass hier eine verbindlichere Verantwortung besteht, sich mit den Interessen, Fragen und Anliegen der Follower zu beschäftigen. Wenn Mitarbeiter X gefragt wird, wann denn eine neue Produktversion herauskommt, darf er durchaus nicht antworten wollen oder meist auch gar nicht dürfen. Beim Twitteraccount hingegen darf man verbindliche Antworten erwarten. Ich bin bei einem Corporate Twitter-Account auch nicht verwundert, wenn er regelmäßig Links zu Blogeinträgen, Clippings oder Pressemitteilungen verschickt. Ich gehe davon aus, dass auch andere Follower von einem Corporate Account daran interessiert und damit rechnen.

Ich selbst betreue für die CoreMedia AG den Twitter-Account @coremedia_news und habe dabei bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Das kann sogar wie in diesem Fall auch ein Dienstleister machen, wenn er wie ich gut mit dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern vernetzt ist. Dort laufen immer wieder Fragen auf oder es entstehen durch das absolut nicht zu vernachlässigende Monitoring, also dem “Abhören” des Gezwitschers über ein Unternehmen jenseits der Follower, interessante Kontakte und Diskussionen – meist nach dem ersten Kontakt dann in direkter Kommunikation. Das ist einfach viel niedrigschwelliger und proaktiver als bloggen oder gar Push-Information wie Newsletter. Es bedeutet bei ernsthaftem Betreiben eines kommunizierenden und nicht nur Links versendenen Account aber ganz klar auch viel Know how des Mediums und nicht zuletzt eine gehörige Prise Zeit. Die wird aber auch im klassischen Marketingsinne jenseits von direkter Kommunikation belohnt. Die Konversionsrate bei Links ist um etliches höher als bei Newslettern oder Bloglinks. Ich kann also nur jedem Unternehmen raten sich mit dem Gedanken zu beschäftigen. Wichtig bleibt natürlich, dass das Ganze zum Unternehmen passt.